Die Likert-Skala gehört zu den beliebtesten Methoden, um Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen präzise zu erfassen und auszuwerten. Ob in der Psychologie, Marktforschung oder Mitarbeitendenbefragungen – sie liefert wertvolle Einblicke und macht komplexe Daten verständlich. In diesem Artikel erfährst du, wie die Likert-Skala funktioniert, welche Varianten es gibt und worauf du bei der Erstellung der Umfrage achten solltest, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.
Geschichte & Definition
Die Likert-Skala ist eine Rating-Skala, die in den 1930ern vom amerikanischen Sozialforscher Rensis Likert entwickelt wurde. Ziel der Likert-Skala ist es, die Einstellung, Meinung oder das Verhalten zu einem Thema zu erfassen. Deswegen wird sie in der Psychologie, Soziologie und Marktforschung eingesetzt.
Gemessen werden können:
- Zustimmung
- Häufigkeit
- Zufriedenheit
- Relevanz
- Gefühl
Die Likert-Skala besteht aus drei relevanten Komponenten:
- Merkmal: Thema der Skala
- Items: vorformulierte Antwortkategorien
- Merkmalausprägung: Bewertung des Items auf einer festgelegten Skala
Die Merkmalausprägung kann auf unterschiedliche Weise dargestellt werden: unipolar oder bipolar, als gerade oder ungerade Skala, vertikal oder horizontal.
Likert-Skalen werden meistens als 5-stufige oder 7-stufige Skala ausgespielt. Es ist aber auch möglich, eine 4-stufige, 8-stufige, 11-stufige, n-stufige Skala zu haben.
7-stufige Skalen bieten mehr Detail, 5-stufige Skalen bieten genug Detail, um Teilnehmende nicht zu überfordern, aber ihnen trotzdem genug Auswahlmöglichkeiten zu bieten. Deswegen sind 5-stufige Likert-Skalen für ein grobes Meinungsbild gut geeignet, 7-stufige Skalen sollten aber genutzt werden, wenn du präzisere Meinungen erhalten möchtest.
Gerade vs ungerade
Eine gerade Likert-Skala hat eine gerade Anzahl von Merkmalausprägungen, eine ungerade Skala hat eine ungerade Anzahl.
Das bedeutet:
Eine Skala mit 1, 2, 3, 4, 5 hat als Mitte 3.

Eine Skala mit 1, 2, 3, 4, 5, 6 hat keine Mitte.

Der Vor- und gleichzeitig Nachteil an ungeraden Skalen ist, dass sie (meistens) eine neutrale Option bieten, die Teilnehmende auswählen können. Einerseits können sie dadurch eine wahre neutrale Meinung ausdrücken und die anderen Optionen besser einsortieren. Andererseits wird die Option oft geklickt, wenn eine Person sich mit einem Thema nicht gut genug auskennt und sich enthalten möchte oder keine Lust mehr haben, die Umfrage auszufüllen. Das verfälscht unter Umständen deine Umfragedaten.
Gerade Likert-Skalen haben den Nachteil, dass es keine neutrale oder schwächere Option gibt. Für dich hat das den Vorteil, dass deine Website-Besucher oder Umfrage-Partizipanten sich nicht enthalten können. Aber auch dadurch können deine Ergebnisse verfälscht werden, denn neutrale Personen müssen eine Meinung angeben, die sie vielleicht nicht vertreten.
Über die Jahrzehnte hinweg hat sich ergeben, dass ungerade Skalen mit einer neutralen Mitte in der Umfrageforschung die bessere Wahl sind.
Unipolar vs bipolar
Eine unipolare Likert-Skala misst die Intensität eines Items, also wie sehr Umfrage-Teilnehmende etwas wahrnehmen. Dabei wird nur ein Attribut gemessen und es gibt keinen neutralen Mittelwert.
Bei einer bipolaren Skala wird die Position auf einem Spektrum mit gegensätzlichen Enden gemessen.
Für welche Skala du dich entscheidest, hängt vom Ziel deiner Umfrage ab. Möchtest du detaillierteres Wissen erhalten, empfiehlt sich eine unipolare Skala. Eine bipolare Skala ist für breitere Meinungen empfehlenswert.
Vertikal vs horizontal
Der Unterschied zwischen einer vertikalen und einer horizontalen Skala liegt in der Anordnung der Merkmalausrpägungen. Bei einer vertikalen Skala sind die Möglichkeiten untereinander angeordnet, bei einer horizontalen Skala nebeneinander. Vertikale Skalen sind besser Mobile optimiert.
Vorteile & Nachteile von Likert-Skalen
Durch die regelmäßige Verwenden von Likert-Skalen haben sich über die Jahrzehnte hinweg einige Vor- und Nachteile herauskristallisiert. Worauf du achten solltest, bevor du dich für oder gegen eine Likert-Umfrage entscheidest.
Vorteile
Bessere Datenqualität
Mithilfe von Likert-Skalen wandelst du subjektive Meinungen deiner Kundschaft einfach in Daten um. Durch das Bewertungsspektrum kann eine Meinung einer Zahl zugeordnet und entsprechend eingeordnet werden werden. Setzt du Logiken mit passenden Folgefragen ein, erhältst du besonders im Vergleich zu binären Ja/Nein-Fragen eine deutlich höhere Datenqualität.
Für die obige Frage zur Zufriedenheit mit dem Kundenservice kannst du zum Beispiel bei den Bewertungen 1 – 4 nachfolgend eine Freitext-Frage mit „Bitte begründe deine Bewertung“ stellen.
User-Freundlichkeit
Eine Befragung mit der Likert-Skala ist für die Teilnehmenden besonders User-freundlich, weil das Verfahren meist schon bekannt ist. Etwas zu bewerten, auf einer 5-Punkte-Likert-Skala oder höher, ist eine Art der Befragung, mit der die meisten User bereits Erfahrung gesammelt haben. Dadurch müssen sie sich nicht erst zurecht finden, kommen schnell in die Umfrage und die Themengebiete rein und haben den Fragebogen schnell abgeschlossen. Da sie keine eigene Meinung formulieren, sind die Antwortoptionen schnell angeklickt und deine User können ihren Einkauf fortsetzen.
Vielseitiger Umfragetyp
Die Likert-Skala ist ein sehr Praxis-orientierter, versatiler Fragetyp. Durch die Anpassungsmöglichkeiten mit bipolaren oder unipolaren Fragen, den unterschiedlichen Skalenniveaus der Antwortskala sowie der der Freiheit in der Fragengestaltung kann die Likert-Skala für sehr viele verschiedene Arten der Umfragen genutzt werden.
Zum Beispiel:
- Mitarbeitendenbefragung (Employee Net Promoter Score / eNPS)
- Weiterempfehlung durch Kundschaft (NPS)
- Zufriendenheitsscore Kundschaft (CSAT)
- Event-Feedback
- Produktfeedback
- Produktentwicklung
Gute Datenvergleichbarkeit
Durch die einfache Umwandlung von Meinung in Daten können Daten über einen längeren Zeitraum hinweg gut verglichen werden. Hat sich zum Beispiel der NPS nach einem Produktlaunch verbessert? Ist die Customer Satisfaction im Vergleich zum Vorjahr gestiegen?
Wenn du Folgefragen über demografische Merkmale wie das Alter, Geschlecht, Wohnsituation stellst, kannst du auch die Daten verschiedener Zielgruppen problemlos miteinander vergleichen.
Die Auswertung einer Likert-Skala ist dadurch unkompliziert und spart dir Zeit und Kosten.
Nachteile
Umfragemüdigkeit
Je nachdem, wie lang und umfangreich deine Umfrage ist, kann bei deinen User eine Umfragemüdigkeit entstehen. Zu viele Fragen oder ein zu hoher zeitlicher Aufwand führen dazu, dass deine Kundschaft Fragen überspringt, einfach irgendwas anklickt oder sogar die Umfrage abbricht.
Unsere Empfehlung: Sagen deinen Teilnehmenden schon im Vorfeld, wie lange die Umfrage in etwa dauert und zeige ihnen einen Fortschrittsbalken an. So wissen sie, worauf sie sich einlassen und wie lange die Umfrage noch dauert.
Soziale Norm
Menschen sind Herdentiere (siehe auch: Herdenverhalten aus der Psychologie), das heißt, sie möchten anderen Menschen folgen. Forschende haben herausgefunden, dass ein Nachteil der Likert-Skala deswegen der Unwille zu Extremen ist. Die beiden Ende der Skala werden unter Umständen nur selten angeklickt, weil die Teilnehmenden nicht „extrem“ wirken wollen, sondern der (gefühlten) Norm entsprechen möchten. Das kann deine Daten verzerren.
Fehlende Erklärungen
Die geschlossenen Fragen in dem Fragebogen bieten deinen Teilnehmenden nicht die Möglichkeit, ihre Auswahl zu erklären. Einerseits ist die Umfrage so zeitsparend, andererseits findest du vielleicht nie heraus, warum jemand dich besonders gut oder besonders schlecht bewertet hat. Sie wählen einfach die Antwort, die ihrer Meinung am nächsten kommt.
Zu viele neutrale Antworten / Mittelwerte können außerdem deine Daten verzerren und die Messung erschweren.
Empfehlung: Du kannst nach jedem Themengebiet eine optionale Freitext-Folgefrage stellen und so deiner Kundschaft die Chance bieten, sich zu erklären.
Subjektivität
Die Items und die Merkmalausprägungen werden nicht von allen Usern gleich verstanden. Das subjektive Verständnis kann dabei zu Datenverzerrung führen.
Ein Beispiel:

Für dich bedeutet „manchmal“ vielleicht, dass du das Produkt 3 mal im Monat verwendest. Jemand anders interpretiert „manchmal“ als einmal die Woche, wieder jemand anders als einmal im Monat.
Besonders bei solchen subjektiven Verständnissen hilft es, wenn du die Merkmalausprägung anpasst und hier mit klaren Zahlen arbeitest.
Tipps für eine bessere Likert-Skala
Wir möchten dir ein paar Tipps und Tricks mitgeben, wie du das Beste aus deiner Likert-Skala herausholen kannst.
Konsistenz ist Key
Entscheide dich für eine Skala und zieh sie durch. Auch, wenn deine Umfrage verschiedene Themengebiete umfasst, sollte deine Skala immer die gleiche Anzahl an Stufen haben. Du kannst innerhalb der Skalenniveaus die Beschreibungen anpassen, wenn du etwa einmal herausfinden möchtest, wie hoch die Zufriedenheit war und einmal herausfinden möchtest, wie gut oder schlecht jemand einen Service bewertet. Dennoch sollte auch hier innerhalb des Themengebiets die Skala die gleiche bleiben.
Positive & negative Statements verwenden
Wenn du positive und negative Statements kombinierst, hältst du deine Teilnehmenden gedanklich auf Trab. Dadurch kannst du vermeiden, dass sich (zu schnell) eine Umfragemüdigkeit einstellt. Andererseits kannst du so prüfen, ob deine User beim Antworten aufpassen und nicht nur irgendwas anklicken: Stellst du die gleiche Frage einmal positiv und einmal negativ formuliert, müssten die Antworten übereinstimmen.
Doppelte Negative vermeiden
„Ich achte nie darauf, ob ich nicht-regionale Eier kaufe“ wäre ein Beispiel, für einen verwirrenden doppelten Negativ. Sinnvoller ist es, die Frage umzuformulieren: „Ich achte darauf, regionale Eier zu kaufen / Ich achte nicht darauf, ob ich regionale Eier kaufe“. Die Formulierung ist klarer verständlich und führt zu weniger missverständlichen Antworten.
Logiken einsetzen
Um die Antworten deiner Teilnehmenden besser einordnen zu können, empfehlen wir, Logiken einzusetzen und Folgefragen zu stellen. Warum hat dir das Produkt nicht gefallen? Warum war der Support besonders gut? Was fehlt dir, um deine Zufriedenheit zu steigern? So steigt die Aussagekraft deiner Umfragen.
Mit PollHero eine Likert-Skala erstellen
Mit PollHero kannst du auf drei verschiedene Arten eine Likert-Skala erstellen: mithilfe der Matrix-Frage, der Multi Select Frage oder der Rating Scale.
Rating Scale
Du kannst die Likert-Skala auch mit einer Rating Scale erstellen. Gib dafür bei „Fragestellung“ deine Frage/Aussage ein. Entscheide dich für die Nummern als Rating Symbole und gib die beiden Enden deiner Skala ein.

Das allgemeine Problem an der Rating Scale ist, dass du nicht jede Zahl beschreiben kannst. In den meisten Fällen können deine Besucher sich vorstellen, dass die Zahl 3 auf einer 5-Stufen-Skala für Neutralität steht, dennoch wäre es sinnvoller, alle Merkmale zu labeln.
Bei vielen Fragen kann sich außerdem eine Umfragemüdigkeit einstellen. Der Fragebogen ist in der Wahrnehmung der Kundschaft zu lang und dein Arbeitsaufwand erhöht sich unnötig.
Für mehr als fünf Items empfehlen wir dir, die Likert-Skala lieber mit dem Matrix Typ zu bauen.
Matrix
Erstelle eine Matrix-Frage und entscheide dich, welchen Themenbereich sie abdecken soll.
In das Feld „Fragestellung“ schreibst du jetzt etwas wie „Bitte bewerte die folgenden Aussagen.“ So weiß deine Kundschaft, was von ihnen erwartet wird.
In das Feld „Antworten“ kannst du die unterschiedlichen Items deiner Likert-Skala entsprechend eintragen.
Das Feld „Bewertungsskala“ ist für deine Merkmalausprägungen. Hier kannst du deine Skala mit deinen Bewertungselementen eintragen.

Das Gute an der Matrix: Du kannst alle Fragen/Aussagen eines Themengebiets in einem Rutsch zur Verfügung stellen. Dadurch erscheint die Umfrage kürzer und deine User sind gewillter, sie zu beenden.
Aber: Die Matrix ist, besonders Mobile, komplexer für User zu verstehen.
Multi Select
Du kannst eine Likert-Skala mit PollHero auch mit dem Multi Select Typ erstellen.
Gebe in „Fragestellung“ deine Frage oder Aussage ein.
Deine Merkmalausprägungen gibst du in den „Antwort“-Feldern ein.
Als letzten Schritt limitierst du die Anzahl der Antworten auf eine Antwort. So können deine User wirklich nur eine Antwort geben.

Das Problem an der Erstellung mit Multi Select Fragen ist, dass der Aufwand für dich höher ist. Du musst die Antwortskala für jede Frage erneut eingeben. Außerdem wirkt dein Fragebogen so länger. Multi Select eignet sich gut, wenn du nur wenige Fragen/Aussagen überprüfen möchtest.
Fazit
Die Likert-Skala ist eine fantastische Möglichkeit, die Meinungen und Optionen deiner Kunden und Kundinnen einzufangen oder deine Mitarbeitenden anonym zu befragen. Die Skala ist einfach verständlich, da User Erfahrung mit dieser Art der Bewertung haben. Je nach Konstruktion deiner Likert-Skala ist sie perfekt optimiert, um deine Teilnehmenden zu halten und deine Abschlussrate zu steigern. Durch die gut zu vergleichenden Werte, die präzisen Formulierungen und die einfache Auswertung der Daten ist die Likert-Skala zurecht eine der beliebtesten Arten, Bewertungen zu sammeln.

